Vom Weltenbummler zum Einsiedler im Erzgebirge (Ideenfindung Teil 5)
Dies ist Teil 5 der Ideenfindung zum geplanten Buchprojekt „Das Leben des Marek“ – eine eigenwillige Autobiografie mit humoristischen und fiktionalen Elementen.
Die vorherigen und folgenden Teile findest du auf der Artikel-Übersicht.
Dies ist die Geschichte eines sonderbaren, aber sehr hilfsbereiten alten Mannes, der schon überall auf der Welt unterwegs war und nun wieder im Erzgebirge lebt.
Es war einmal ein Mann namens Marek.
So könnte die Erzählung beginnen, aber dies ist kein Märchen der Gebrüder Grimm, sondern eine etwas verrückte Geschichte aus der Neuzeit.
Beginnen wir also damit, wie es sich zugetragen hat.
In einer kalten Februarnacht im Jahr des Herrn 1978 erblickte ein Junge das Licht einer Karbidlampe. Die Welt außerhalb der Hütte war in drei Meter hohen Schnee gehüllt, die Temperatur betrug angenehme minus 10 Grad Celsius. Der Kleine wurde in ein Schafsfell gehüllt und bekam einen Eiszapfen zum Lutschen, um ihn warmzuhalten.
Die alten Druiden wählten mit den Eltern des Jungen den Namen „Marek“. Der Name stammt aus dem Altgermanischen und bedeutet „Beschützer der neuen Welten“.
Schon in seiner frühen Jugend entwickelte der Marek eine Faszination für die elektronische Datenverarbeitung (EDV) und später für die Informationstechnologie (IT). Seine Leidenschaft für digitale Welten wurde jedoch erst richtig entfacht, als er auf den Bildschirmtext (BTX) der damaligen Deutschen Bundespost stieß.
In den frühen 1990er Jahren, als die Welt noch nicht so vernetzt war wie heute, führte ihn ein damals schon alter Mann namens Sam Mueller in die Tiefen der wilden und unregulierten Welt des Internets ein. Damals war das Rauschen der Modems Musik in Mareks Ohren, und der Cyberspace wurde sein neuer Spielplatz.
Später erlebte er Abenteuer in der Welt der Elektrotechnik und in digitalen Gefilden und arbeitete an kleinen und großen Projekten in vielen verschiedenen Ländern.
Doch Anfang 2023 entschied sich der Marek, ein kleines Adieu zur Arbeitswelt zu sagen. Er zog sich teilweise vom Stress und von den Widrigkeiten der modernen Arbeitswelt zurück und fand sein neues Refugium in den Wäldern des wilden, aber wunderschönen Erzgebirges.
Im Erzgebirge lebt der Marek wie ein Einsiedler – tief verbunden mit der Natur. Er durchstreift die Wälder, kennt jeden alten und neuen Pfad, jeden versteckten See und jeden alten Baum.
Der Marek ernährt sich von dem, was ihm die Natur des Erzgebirges bietet. Er jagt die Tiere des Waldes nach den Grundsätzen von Bear Grylls (Ausgesetzt in der Wildnis) und Andrew Zimmern (Der Alles-Esser – So schmeckt die Welt): Alles, was Augen hat, kann man essen, nur mit den Innereien muss man vorsichtig sein. Da ihm eine ausgewogene Ernährung wichtig ist, sammelt er auch Pilze und Pflanzen. Er weiß genau, was essbar ist und was man besser nicht anrühren sollte.
Seine Hütte im Erzgebirge ist schlicht und versprüht den rustikalen Charme einer altertümlichen Behausung, bietet jedoch fast alle Annehmlichkeiten der Moderne. Die 4G/5G-Basisstation und die mobile Starlink-Antenne ermöglichen es ihm, auch in der Wildnis des Erzgebirges mit der digitalen Welt verbunden zu bleiben. Der Marek hat dabei seine IT vor neugierigen Blicken und vor elektromagnetischer Strahlung geschützt im Keller untergebracht. So kann er gegenüber den Touristen und Besuchern weiterhin das Bild vom einfachen Leben in seiner Hütte aufrechterhalten. Gelegentlich unterstützt er Hilfesuchende aus den Tiefen des Erzgebirges heraus bei ihren Herausforderungen.
Ab und an bekommt der Marek auch Besuch von neugierigen Touristen. Denn die Marketingmaschinerie arbeitet unermüdlich – die Legende vom modernen Einsiedler hat sich wie ein Lauffeuer in der digitalen und analogen Welt verbreitet.
Mit Fotoapparaten und Selfie-Sticks ausgerüstet, betreten die Touristen ehrfürchtig den Naturgarten vor seiner Hütte.
„Hallo, guter Mann! Sind Sie der legendäre Marek, der Einsiedler im Erzgebirge?“, fragt ein Tourist aufgeregt mit einem Akzent, der dem Marek verrät, dass er nicht aus der Region stammt.
Der Marek blickt ihn mit einem verschmitzten Lächeln an und meint: „Ja, der bin ich. Wie kann ich Ihnen helfen?“
Die Touristen stellen Marek viele Fragen über seine Vergangenheit, sein jetziges Leben im Wald, seine Verbundenheit mit der Natur und natürlich über die geheimnisvolle und mysteriöse Internetanbindung seiner Hütte, die dem Marek inmitten der gefährlichen, aber wunderschönen Wildnis des Erzgebirges zur Verfügung steht.
Der Marek, immer zu einem Scherz aufgelegt, sagt: „Ich lebe im Erzgebirge, aber nicht in der digitalen Steinzeit.“
Er bietet den Touristen frisches Quellwasser aus seiner eigenen Quelle an, die im Keller seiner Hütte aus den Tiefen des Berges emporsteigt. Zur weiteren Stärkung serviert er den Touristen leckere selbstgemachte Hausmannskost von seinem Holzofen, wie zum Beispiel gefüllten Wildschweinmagen mit Bratkartoffeln und Waldpilzen.
Nachdem die Touristen ihre Fotos und Selfies mit dem Marek gemacht und sich für den beschwerlichen Weg durch den Wald zurück in die Zivilisation gestärkt haben, verabschieden sie sich. Der Marek winkt ihnen fröhlich nach und sinniert darüber, wie verrückt die moderne Welt ist und wie die Digitalisierung die Menschen neugierig auf andere Regionen der Welt macht – dass sogar Isländer das Erzgebirge besuchen.
Er genießt es, den Touristen ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern, sie mit leckerem Essen zu versorgen und ihnen eine Auszeit vom hektischen Alltag zu bieten, auch wenn es nur für einen kurzen Moment ist.
Im Laufe der Jahre hat der Marek einen kleinen Kreis von Gleichgesinnten um sich geschart. Einige sind Elektrotechniker oder Informatiker, andere Naturforscher oder nur einfache Menschen, die wie er die Einsamkeit im Wald zu schätzen und zu genießen wissen. Gemeinsam sitzen sie oft am Lagerfeuer, tauschen Geschichten aus und diskutieren über die neuesten Entwicklungen in der IT, der Elektrotechnik und der Intralogistik.
Ab und zu mischt sich auch eine Prise Schabernack in ihre Diskussionen. Der Marek erzählt von seinen unglaublichen Abenteuern im Cyberspace und wie er unfreundlichen Touristen schon mal den falschen Weg zeigt – damit sie auch die wilde, gefährliche und unerbittliche Natur des Erzgebirges kennenlernen können. Die Lacher am Lagerfeuer verraten, dass der moderne Einsiedler nicht nur ein Naturbursche, sondern auch ein begnadeter Geschichtenerzähler ist.
Den Marek trifft man nicht nur in den Wäldern des Erzgebirges an. Manchmal, wenn die Hilferufe unüberhörbar werden, packt er seine Werkzeugkiste und seinen Laptop und macht sich zu Fuß auf den Weg zum nächstgelegenen Nachbarn, der nur 15 Kilometer entfernt wohnt, um sich von ihm ein Auto zu leihen und zu einem der zahlreichen KEP-Dienstleister und Intralogistiker in Deutschland zu fahren. Nicht wenige Mitarbeiter sind immer wieder aufs Neue überrascht und begeistert, wenn der legendäre Einsiedler aus dem Erzgebirge plötzlich vor der Tür steht, um ihnen bei ihren technischen Herausforderungen zu helfen.
Doch so schnell, wie er erschienen ist, ist er auch wieder in den tiefen Wäldern des Erzgebirges verschwunden.
Die Geschichten über Mareks Können und seine Fähigkeiten sind in der Welt bekannt. Immer wieder überbringen ihm berittene Boten der Deutschen Post Dankschreiben, Bittbriefe oder Anfragen von Unternehmen, die sein Fachwissen oder seine Einschätzung benötigen.
Der Marek ist ein echt cooler Typ, der die moderne Welt zwar zu schätzen weiß, aber nicht unbedingt in sie zurückkehren will. Er hat eine Regel: Von Zeit zu Zeit verlässt er das Erzgebirge, um Unternehmen auf der ganzen Welt bei ihren Herausforderungen zu helfen. Im Gegenzug für Dinge, die er selbst nicht herstellen kann, die er aber für sein einfaches Leben im Erzgebirge benötigt.
Die erzgebirgische Tourismus- und Marketingbranche feiert und preist den Marek als den modernen Karl Stülpner des 21. Jahrhunderts. Die Marketingstrategen sind immer wieder begeistert, denn der Marek verbindet auf einzigartige Art und Weise die Tradition mit der Moderne.
Die Geschichten über den wilden Mann aus dem Erzgebirge, der im Einklang mit Natur und Technik lebt, verbreiten sich auf analogen und digitalen Wegen weltweit und locken immer mehr Touristen aus dem In- und Ausland ins wunderschöne Erzgebirge.
Der Marek selbst genießt sein Leben als moderner Einsiedler. Er hilft den Hilfesuchenden, treibt Schabernack mit unfreundlichen Touristen und diskutiert am Lagerfeuer über die Zukunft der Welt, über die IT, Elektrotechnik und Intralogistik.
Ab und zu trifft man den Marek auch außerhalb der Wälder des Erzgebirges in anderen Teilen der Welt an – immer mit einem Lächeln im Gesicht und stets bereit zu helfen.
So ist der Marek zur Einsiedlerlegende geworden.
Und so endet nun diese Geschichte.
Doch wer weiß, vielleicht lebt er ja noch immer im wunderschönen Erzgebirge!