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Mit der Eisenbahn um die Welt

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Ich bin in den 90ern mit dem Zug von Oederan nach Chemnitz zu meiner Ausbildungsstelle gefahren. Morgens war es eher zu zeitig für einen Jugendlichen. Am späten Nachmittag, auf der Rückreise, war es schöner.

Das Reisen hat eine lange Entwicklung hinter sich, und fertig ist es bis heute nicht.

Angefangen hat alles zu Fuß. Mit Schuhen ging es schon etwas bequemer, und wer bis heute zu Fuß unterwegs ist, reist bekanntlich mit „Schusters Rappen“. Irgendwann stieg der Mensch auf Tiere um, erst auf Esel und Rinder, später aufs Pferd.

Dann kam das Rad und mit ihm Eselkarren und Pferdekutsche. Richtig los ging es aber erst mit der Eisenbahn, und in Sachsen ziemlich früh: Am 8. April 1839 wurde die Strecke Leipzig–Dresden eröffnet, die erste deutsche Fernbahn. Seitdem kommt man weit, schnell und einigermaßen bequem herum, und viele Dörfer, Städte und Ausflugsziele erreicht man bis heute mit dem Zug.

Für weite Strecken gibt es den Nachtzug mit Schlaf- oder Liegewagen. Abends einsteigen, schlafen, morgens am Ziel sein, so jedenfalls die Theorie. Ob man wirklich ausgeschlafen ankommt, hängt ein bisschen von den Gleisen ab und vom Schnarcher im Nachbarabteil. Viele große Städte in Europa erreicht man so über Nacht.

Ein einzelner schwarzer Gummistiefel steht auf einem bemoosten Stein im Herbstlaub.
Mit der Eisenbahn oder mit Schusters Rappen um die Welt. (Symbolbild)

Die Renaissance der Nachtzüge

Nachtzüge sind eine klimafreundliche Alternative zum Flugzeug, und sie kommen zurück, wenn auch holprig. Die Verbindung Paris–Berlin zum Beispiel wurde im Dezember 2025 eingestellt und fährt seit dem 26. März 2026 wieder, jetzt mit European Sleeper. Für Urlauber ist so eine Fahrt ein Erlebnis, für Geschäftsreisende eine echte Alternative, denn die Hotelnacht ist gleich mit drin.

Ein Blick in die Geschichte: Nachrichten­meldungen aus der Vergangenheit

1. Ein Herr Benz aus Mannheim soll eine Kutsche erfunden haben, die nicht von Tieren gezogen, sondern von einem sogenannten Verbrennungsmotor angetrieben wird. Der Motor soll die Kraft von drei Pferden haben und mit Ligroin fahren, das man in der Apotheke kaufen kann. Die Gewerkschaft der Kutscher und Flößer nennt das die „Spinnerei eines Verrückten“ und meint: „So etwas kann sich nicht durchsetzen.“ Nun ja, wer steigt schon in eine lärmende, stinkende Kutsche, wenn man das beruhigende Schnauben eines Pferdes haben kann? Schließlich ist der einzige „Ausstoß“ eines Pferdes biologisch abbaubar.

2. Ein Herr Gustav Weißkopf arbeitet derzeit an einem Apparat, mit dem sich ein Mensch in die Lüfte erheben kann, um an einem entfernten Ort wieder zu landen. Falls dies gelingt – was wird wohl die Kirche dazu sagen?

Man darf gespannt sein, was den Deutschen noch so alles einfällt.

Eine Dampflok mit dichter Rauchfahne zieht Personenwagen durch eine verschneite Landschaft; neben dem Gleis steht ein Mensch.
Mit der Fichtelbergbahn geht es vom Bahnhof Cranzahl aus durch das Erzgebirge hinauf nach Oberwiesenthal.

Ein Reisetipp: Von Großwaltersdorf nach Paris

Die Reise beginnt in Großwaltersdorf, einem kleinen Dorf im Erzgebirge, das zur Gemeinde Eppendorf gehört. Hier geht alles noch ein bisschen gemächlicher, und gerade deshalb fühlt sich die große Reise umso größer an. Mit dem Bus fährst du nach Freiberg, in die alte Silberstadt mit ihrer Altstadt und ihrem Dom.

Von Freiberg bringt dich der Regionalzug in rund einer halben Stunde nach Dresden, von dort geht es mit dem Fernzug weiter nach Berlin. Wer Zeit hat, macht vorher noch einen Abstecher nach Chemnitz, 2025 Kulturhauptstadt Europas, und sagt dem „Nischel“ Hallo. So nennen die Chemnitzer ihr Karl-Marx-Monument, aus Karl-Marx-Stadt-Zeiten übrig geblieben.

In Berlin steigst du in den Nachtzug nach Paris. Ist das Abteil bezogen, kommt die Vorfreude. Ein mitgebrachtes Abendbrot, vielleicht ein Glas Wein, ein letzter Blick aus dem Fenster, und dann schaukelt dich der Zug in den Schlaf.

Über Lüttich und Brüssel rollt der Zug nach Paris. Ausgeschlafen und mit friedlichen Absichten steigst du aus, und die Stadt der Liebe liegt vor dir. Ein Croissant und ein Café au Lait in einem kleinen Café, so fängt ein guter Tag in Paris an.

Ob Notre-Dame, ein Bummel über die Champs-Élysées oder Kunst und Geschichte im Louvre: Langweilig wird es in Paris nicht. Und die Anreise war gleich ein Stück vom Urlaub.

Hast du Lust auf ein Eisenbahnabenteuer bekommen?

Ich habe übrigens selbst eine Schwelle der Musikwinkelbahn Adorf–Zwotental „gerettet“, die Urkunde steht unten. Einen guten Überblick über die Nachtzüge in Europa bietet die Plattform Night Trains, externes Angebot, öffnet in einem neuen Tab.

Urkunde „Schwellenretter der Musikwinkelbahn“ für Marek Stapff, ausgestellt in Gunzen am 30.11.2025, mit dem Foto einer Bahnschwelle im Gleis.
Urkunde „Schwellenretter“ der Musikwinkelbahn Adorf-Zwotental. (PDF anzeigen/drucken, öffnet in einem neuen Tab)

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